Bericht: Diana Dittrich  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Am zweiten Weihnachtstag luden S.P.O.C.K., Absolute Body Control, Funker Vogt und Covenant zum Christmas Ball nach Hannover ein. Der Christmas Ball sollte ein Event für all diejenigen sein, die von dem Weihnachtsstress genug hatten und nun bei guter Musik zur Ruhe kommen wollten. Das Line-Up versprach einen interessanten und unterhaltsamen Abend.

S.P.O.C.K.

Den Opener dieses Abends bildeten S.P.O.C.K., eine schwedische Band, die im Synthiepop zu Hause ist. Diese Platzierung war für die Schweden vielleicht ein wenig unpassend (ich hätte sie persönlich lieber etwas weiter hinten im Programm gesehen, denn so eine Stimmungskanone geht zu Beginn leider ein wenig unter. Dennoch war die Show, die die drei lieferten, ganz großes Kino (auch wen das Publikum leider nur teilweise auf Touren kam). Vor allem Sänger Android, der wohl einzige Mann auf der Welt (Verzeihung: im Weltall), der selbst in Gummistiefeln noch sexy aussieht, alberte während des Auftrittes mit dem (weiblichen) Publikum rum. Besonderes Highlight war noch immer die „Strahlenkanone“ mit der der Sänger auf die Aliens im Publikum schoss. Diese war mit Schaum gefüllt, was ich volle Kanne abbekam, aber hey, Spaß muss ja auch sein.
Überzeugen konnten die Drei auf ganzer Linie: In den, bei ihnen so bekannten Raumanzügen, dem Humor und ihrer musikalischen Leistung.

Absolute Body Control

Was kann man zu Absolute Body Control groß sagen? Das ist irgendwie recht schwierig. Vorher habe ich sie nur auf ihrer Myspace-Seite gehört und muss sagen, dass ich sie eigentlich recht gut fand. In Hannover aber war es dann nicht ganz das, was ich mir von dem dunkeln Synthie-Pop der 80-ger versprochen hatte.
Ich denke, dass Leute, die Musik à là Camouflage mögen, auch von dieser Band begeistert sind. Doch irgendwie steht bei Absolute Body Control der Sound ein wenig zu viel im Vordergrund, was leider wenig eindringliche Musik bedeutet.
Sänger Dirk Ivens war den gesamten Auftritt über sehr wortkarg, bedankte sich vielleicht zwei- dreimal bei seinen Fans, ansonsten wirkte die Show wenig lebendig, fast so, als würde sie nur von einem Band abgespielt, ohne große Emotionen. Aber was heißt hier schon groß „Show“? Das einzige, aus das die sogenannte Show bestand, war das „Mikroumklammern“ und das auf- und ablaufen des Sängers auf der Bühne. Und bei dieser Performance kam leider auch im Publikum recht wenig Stimmung auf. Schade eigentlich.

Funker Vogt

Und erneut strömte Nebel auf die Bühne und hüllte alles ein, bevor Funker Vogt ihren großen Auftritt hatten. Zuerst kam Jens Kästel auf die Bühne, eine Nikolausmütze auf dem Kopf und einen Sack auf dem Rücken und sagte, er wolle nun seine Fans bescheren. Mit dieser Ankündigung öffnete er seinen Sack und schmiss kleine Schokonikoläuse in das Publikum, bevor auch seine Bandkollegen auf die Bühne kamen und es so richtig los ging. Eigentlich eine sehr schöne Geste, oder nicht?
Leider stimmte bei Funker Vogt oft die Mischung der Musik nicht. Der Text war oft kaum zu verstehen, mal hörte man die Gitarre nicht, mal war sie zu dominant und teils war es einfach zu laut. Aber für diese Missstände entschädigt wurden die Fans auf jeden Fall durch den harten Beat, der den Meisten in die Glieder fuhr und zum mitmachen animierte.
Die Show war Funker-typisch, mit Tarnnetzen, Warnlampen und Uniformen und auch Funker Vogt wirken irgendwie so, als wären sie gerade frisch aus einem Krisengebiet (Weihnachten) gekommen, so machten sie ihrer Musik alle Ehre.

Covenant

Dann war es leider auch schon Zeit für die letzte Band des Abends. So kamen nach einer etwas längeren Umbauphase die die drei Herren von Covenant aus der monströsen Nebelwand hervor. Die Schweden, ganz typisch in Anzug und Krawatte, rundeten das Line-Up so richtig schön ab, wobei man aber leider zugeben muss, dass der Sound auch hier an einigen Stellen kaum erträglich war, aber das schien die zahlreichen Covenant-Fans wenig zu stören. Bei ihrer Songauswahl durften natürlich auch Klassiker wie „We Stand Alone“, „Ritual Noise“ oder „Dead Stars“ nicht fehlen.
Damit schafften sie es den Saal bis zur letzten Reihe zu erreichen, inklusive Balkon, sodass der Saal zu kochen begann. Zugabe der zweiten schwedischen Band des Abends war dann zu guter letzt noch „Stille Nacht, heilige Nacht“, das von dem Publikum begeistert mitgesungen wurde.

Aftershow-Party

Wer wollte, konnte den Abend noch mit DJ FabrikC ausklingen lassen. Doch da wir noch einen sehr langen Rückweg vor uns hatten, schenkten wir uns die Party und setzten uns ins Auto um den etwa sechsstündigen Heimweg anzutreten.
Was kann man im Nachhinein zu diesem Event sagen? Das ist schwierig. Zu aller erst muss einmal erwähnt werden, dass die Stimmung gerade zu familiär war, was sehr toll war. Auch die Location war klasse. So war der Raucherbereich beispielsweise so angelegt, dass man von ihm aus die Bühne sehen könnte, zwar nur durch eine Glasscheibe, aber immerhin, man war trotzdem anwesend und stand nicht wie bei anderen Veranstaltungen draußen, während drinnen der Saal kochte.
Doch auf der anderen Seite stimmte leider an einigen Stellen die Akustik nicht so ganz, was die Musik teilweise ein wenig ungenießbar machte. Auch waren die Scheinwerfer teilweise nicht optimal eingestellt und ließen die Musiker zum Teil im Dunklen verschwinden. Und auch der Nebel war an einigen Stellen einfach zu viel. Weniger wäre doch eigentlich mehr gewesen.
Ich weiß es um ehrlich zu sein nicht, ob wir dieses Jahr den weiten Weg wieder auf uns nehmen werden um nach Hannover zu fahren, oder nicht. Ich denke aber, dass dieses Festival auf jeden Fall ausbaufähig ist. Für Leute, die näher wohnen ist es auf jeden Fall eine gute Alternative zu dem herkömmlichen Weihnachtsfest.

Festivalfotos

 

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